Auf der Suche nach dem Greis in mir.

Wir alle, Anika, Guntbert, Timo, Katherine, Harry und ich suchen den Greisen in uns.

Wir kommen recht schnell voran mit dem Stück. Kein Wunder, denn Erik inszeniert sehr genau und ökonomisch. Keine Szene wird mehr als 2-3 mal geprobt. Dann muss man sie abspeichern. Im Kopf. Und jederzeit bereit haben. Denn wir springen auch mal kreuz und quer durchs Stück.

Katherine ist eine so entzückende "Alte Schachtel", ich glaube sie weiss es selbst noch garnicht. Und Timo bringt mich ständig aus der Fassung vor Lachen. Der ist so komisch, ich halts nicht aus. Und das Päarchen Anika und Gunze, so rührend und so verwirrt. Die wirken jetzt schon wie eine Sympiose aus Ehe und Theater. Harry muss garnicht viel machen, der isses einfach.

Ab Mittwoch gehts auf die Probebühne. Alles easy.

 

cu Dieter, der "Alte" 

erster Synchrontag für den SF Knüller aus der Schmiede von Peter Jackson

Morgens die super Kritiken lesen in allen berliner Zeitungen. Wieder rufen viele Freunde an. Interview Anfrage. 

Die zweite Vorstellung nähert sich rasant. Bin nicht nervös. Eher noch leicht geschafft von den vielen Probewochen. 

19.30h. Kein bisschen nervös. Kai kommt. Auch er nicht nervös. Alle erzählen sich Geschichten der letzten 36 Stunden an denen wir uns nicht gesehen haben. Kritiken werden nochmal vorgelesen. Keiner hört den Inspizienten, wie er uns um 19.55h das letzte Zeichen gibt, um zur Bühne zu kommen. Oh Gott, schnell noch Make up und rauf auf die Bühne. Kai fragt mich im Dunkeln, was wir jetzt machen. Keine Ahnung. Nebelmaschine, Musik, Vorhang, Licht. Und los gehts.

Nicht so rasant wie bei der Premiere, aber immer noch sehr lustig jagen wir durch das Stück. Ein paar Hänger hier und da, aber keiner merkts.

Der Schluss haut noch mal richtig rein. 

Schöner langer Applaus.

 

Mittags erblicke ich das Licht des Tages. Langes Frühstück. Telefonate. Langsam komme ich in Fahrt. Kritiken gibts noch keine. Aber abends schon wieder ein Live Auftritt beim RBB. Sms Glückwünsche den ganzen Tag.

Was macht man nur am Tag einer Premiere? Ich räume die ganze Wohnung auf und singe meinen Text halblaut vor mich hin. Damit nerve ich zwar die Mitbewohner, aber es entspannt. Bischen noch in den Wald spazieren gehen und Vögel beobachten. 

1 Stunde vor Beginn bin ich im Theater. Die Spannung steigt.

Vor dem Theater schon die ersten Gaeste.

Kostüm anziehen und Stimmübungen auf der leeren Bühne vor den leeren Rängen. Nervosität steigt. Kollegen treffen ein. Premierengeschenke und Karten verteilen und bekommen.

Noch 10 min. Toi Toi Toi Küsschen für alle von allen. Dann runter zur Bühne. Noch 5 Minuten. Toilette. Inspizienten Toi Toi Toi wünschen.

Der Chef ppersönlich kommt zum Toi Toi Toi.

Ich sage Kai Kai Kai zu Kai. 

Die Regisseurin, ebenso nervös, taucht noch kurz mit der Bühnenbildnerin auf. Wünscht allen das Beste. Noch 2 Minuten.

Alle auf Position. Kai und ich starren uns an. Wird das alles funktionieren? gestern zur Generalprobe hat alles funktioniert.

1 Minute. Atmen nicht vergessen. Kai und ich betreten leise die Bühne. Man hört die Zuschauer durch den dicken Samtvorhang. Spannung.

8.00h der Inspizient wünscht uns viel Glück und verlässt die Bühne. Jetzt nur noch Kai und ich. Es wird dunkel. Die Zuschauer hören auf zu reden. Totale Stille. Einer räuspert sich. Was passiert jetzt nochmal? Alles vergessen. AHH! Da geht die Musik an. Tom Waits. Nebelmaschinengeräusch. Man sieht nichts, aber man riecht den Nebel. Jetzt geht langsam der Vorhang auf.

LICHT: Applaus!! Nicht zu fassen. Die Leute applaudieren gleich am Anfang. Das gibt power. Klasse. Kann nichts mehr schief gehen. Zum letzten Mal schaue ich als Dieter in die angsterfüllten Augen von Kai. Wir tauchen in unsere Rollen, in die Situation. Zwei englische Polizisten an einem nebligen Londoner Weihnachtsabend.....Jetzt schauen wir uns nur noch als Blunt und Gobbel an.

Ein Erfolg. Schon in der Pause legen sich die Damen im Zuschauerraum neues Make up auf, das alte ist vor Tränen zerlaufen. 

Jubel, Lacher, Schweiss, Szenenapplaus - Ende. Applaus. Vorbei.

5 Vorhänge. Gabs lange nicht mehr an dem Haus.  Sekt, Champagner in der Garderobe. Umarmungen.

Raus ins Foyer zu Presse und Zuschauern. Kleine Ansage vom Chef und Vorstellung aller Beteiligten, Applaus. Interviews. Hunger.

Trinken, Essen und Feiern. Ein Fest. 

 

Der 13.! Aber kein Freitag.

vor der generalprobe noch die applausordnung. Kann manchmal ein schwieriges Unterfangen sein. Manchmal. 

Dann auf die Bühne. Fast volles Haus. Im Kopf nochmal alle Kritikpunkte aufrufen, um sie dann perfekt umzusetzten.

Die Zuschauer sind super drauf. Das puscht ungemein. Jetzt gehts ab. Alles sitzt. Kostüme und Pointen. Die Stimming steigt mit jedem Satz. Kai gibt richtig Gas. Das ist gut. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr wegen der lauten Lacher. Sitzt da in der ersten Reihe etwa einer, der das Sück auswendig kann? Der redet bereits bei einigen Passagen mit. Nein, das ist nicht der Souffleur. Nein, ein echter Fan des Ku`damm Theaters. Im zweiten Teil gibts nen fetten Hänger von nem Kollegen auf der Bühne. Egal, hat keiner gemerkt. Die Schlussnummer geht wieder voll ab, wurde leider musikalisch etwas gekürzt, sitzt dafür aud den Punkt. Naja, ich war ca. 10 Sekunden später fertig als das Lied... Das krieg ich auch noch hin - bis morgen.

Bis morgen... 

Jetzt läuft die show wie geölter Motor. Sogar der erste Teil war spritzig. So spritzig, dass ich zweimal vergessen habe, meinen Text zu sagen. Verwirrte Blicke meiner Mitspieler auf der Bühne. Kai, schweissgebadet, starrt mich wie wahnsinnig an. Was will er von mir? denk ich. Ich höre ein Murmeln aus der Seitengasse. Der "Souffleur" Uwe flüstert meinen Satz auf die Bühne. Alle ausser ich verstehen ihn. Schliesslich sagt Kai meinen Satz und der Priester (Klaus) ist endgültig verwirrt. Auch Kai lässt später geschickt einen Satz verschwinden und blickt 2 Minuten verstört in die Seitengasse. Da ist es längst zu spät. Da kann auch Uwe nix mehr machen.

Egal, die Zuschauer haben das alles nicht mitgekriegt. Jetzt noch die Applausordnung...

Es wird immer spannender.  

jetzt haben wir sie, meint Kai, und er meint die Zuschauer, die richtig abgegangen sind. Soviel wurde noch nie gelacht. Gegen Ende ist es ein einziges Dauerlachen. Das macht Spass. Schade, dass wir uns noch nicht Verbeugen dürfen. Das macht man naturgemäss erst zur Premiere. Noch sind es "nur" Voraufführungen. Die Kritik im Anschluss beschränkt sich auf minimale Details, wie kürzere Pausen zwischen den Sätzen, genauere Blicke unter einander, Positionen auf der Bühne, etc.

Es wird spannend! 

vormittags ein Durchlauf für Journalisten und Fotografen. Da ist die Stimmung nicht sehr prickelnd. Fast jede Pointe wird durch Klicksalven übertönt. Dachte die neuen Digis machen kein Geräusch mehr? Aber den alten Canon EOS-1 sound kriegt man ja digital wieder hin. Sehr viel Unruhe im Zuschauerraum, weil die 60 Fotografen sich ständig gegenseitig über die Füsse stolpern, um die beste Kameraposition zu finden. Man kommt sich ein bischen vor wie im Affenhaus.

abends dann echte Zuschauer. Fast volles Haus. Kann nichts schiefgehen. Doch. Die Nebelmaschine funktioniert nicht am Anfang. Die Londoner Krimistimmung ist futsch. Dann überraschen uns die vielen Nicht Lacher aus dem Publikumsbereich. Langsam aber sicher kriegen wir aber doch noch die Zuschauer. Es sind viele ältere Herrschaften darunter. Die sind schliesslich zur Unterhaltung hier. Und die werden wir Ihnen auch bieten. Nach der Pause rockt das Haus!

Vormittags der erste Durchlauf. Der Intendant sitzt drinnen und noch ein Techniker. Sonst nur der Fotograf, der die Fotos fürs Programmheft macht. Irgendwie sitzen einige Pointen nicht. In der Kritik stellt sich heraus, dass wir viel zu langsam gespielt haben. Wusst ich doch, dass es zu heiss ist auf der Buehne. Im Urlaub ist auch alles viel langsamer, entspannter.

Abends gibts den zweiten Durchlauf. Wir rasen alle durch das Stück. Jetzt passt alles. Kritik super. Intendant zufrieden. Und wir sind fast 20 Minuten schneller! Habe jetzt ein zweites Kostüm, das ich in der Pause anziehen kann. 

WOW. Tolles Bühnenbild. Endlich viel Platz. Wir machen einen technischen Durchlauf, d.h. viele Unterbrechungen, um zu testen ob auch alles funktioniert, die Türen, der Vorhang, die Türklingel, etc. Unaufällig schleichen sich diverse Mitarbeiter des Hauses in den dunklen Zuschauerraum. Ist der Theaterdirektor auch dabei? Viele Lacher aus dem Dunkeln... Mit den Scheinwerfern ist es sehr heiss auf der Bühne. Nach 20 Minuten bin ich durchnässt. Da muss ich mir noch bis zur Premiere was einfallen lassen.
... Nein, ich hab ja noch um 12.00h ein Live Radio Interview bei RBB 88,8 . Läuft locker, der Moderator spielt in der Pause einen Titel meiner CD: Mercedes.
Mit der Euphorie des ersten erfolgreichen Durchlaufs stürzen sich alle in den heutigen. Aber die Power fehlt. Niemand lacht, ausser der Regisseurin. Ist ja auch sonst niemand da. Die Regieassistentin ist gerade nicht da und der Praktikant kontrolliert den Text. Wir machen Fehler. Viele Fehler. Die Auftrittstür klemmt. Wieso klemmt die?? Die hat noch nie geklemmt??? Das Timing kommt durcheinander. Rolle Balthasar tritt auf und starrt mich verzweifelt an. Ich kann ihm auch nicht helfen. Hat er einen Hänger?? NEIN: Das Klingelzeichen fehlt. Macht sonst immer die Regieassistentin. Die ist nicht da gerade. Jetzt schauen alle mich an. Während ich noch an das fehlende Klingeln denke, hat Balthasar längst die Frage gestellt: "Hats geklingelt?" Jetzt hänge ich. Rolle Blunt flüstert mir ins Ohr "Ich hab nichts gehört, und du?" Ich schau Blunt an und kapiere nichts mehr. Ein Albtraum. Wir mutieren zu unseren Rollen. Irgendwie kommen wir durch das Stück, aber wie...
Diesmal schauen schon ein paar Techniker und Bühnenarbeiter zu. Riesenstimmung. Alle findens richtig komisch. Erleichterung bei allen Schauspielern und der Regisseurin. Aber es gibt noch viele Probleme mit den Auftritten, dem Timing, den Kostümen. Werden wir das alles in der letzte Woche hinkriegen???
Der erste Durchlauf. Alle sind total nervös. Wo liegen die Requisiten? Von wo trete ich wann auf? Höre ich mein Stichwort? Schaff ich den Umzug? Fragen über Fragen und alle sind nervös. Dann gehts los. Mit Müh und Not kommen wir durch. Jeder hat mindestens 20 Hänger. Aber wir kommen durch. Das Stück funkioniert.